Ferropolis – Die Stadt aus Eisen

Geschrieben von am September 15, 2009 um 12:05 pm.

Ferropolis, die Stadt aus Eisen, ist eine Mischung aus Museum und Veranstaltungsort in der Nähe von Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt. Ehemals fand am jetzigen Ort der Ferropolis Braunkohleförderung im Tagebau Golpa-Nord statt. Heute zeugt ein interessantes und beeindruckendes Museumskonzept von der Geschichte des Tagebaus in der Region. Wer allerdings eines der üblichen Mussen erwartet, der wird überrascht sein.

Im Jahr 1957 begannen die Vorbereitungen für den Abbau von Braunkohle in Golpa-Nord. In den 1950er Jahren war der Tagebau in Sachsen-Anhalt auf seinem Höhepunkt angelangt. 20 Tagebaue, 60000 Beschäftigte und einen jährlichen Auswurf von zuletzt 100 Millionen Tonnen. 1991 standen dann nahezu alle Förderstätten vor dem aus und auch Golpa-Nord wurde geschlossen. Interessierte Menschen wollten aber fast 40 Jahre Geschichte nicht einfach so verschwinden lassen und so wurden Ideen entworfen. Die Idee zur Ferropolis kam schließlich aus dem Bauhaus Dessau und wurde glücklicherweise auch umgesetzt.

Heute ist die Ferropolis Museum, Industriedenkmal, Stahlskulptur, Veranstaltungsareal und Themenpark gleichermaßen. Beherrscht wird das Areal durch die riesigen Tagebaumaschinen, die in einem ungeheuren logistischen Aufwand auf das Gelände geschafft wurden. Insgesamt fünf dieser Maschinen umranden die große Arena auf der Halbinsel im Gremminer See und alle von ihnen waren über Jahre im Tagebau im Einsatz.

Mad Max, Medusa, Mosquito, Gemini und Big Wheel. Hinter diesen fünf Namen verbergen sich die fünf verschiedenen Maschinen. Mad Max begrenzt die Arena zu Seeseite hin und ist ein Eimerkettenbagger auf Schienenfahrwerk mit einem Gewicht von 1250 Tonnen, einer Höhe von 27,6 m und einer Länge 79,2 m. Ihm gegenüber steht Mosquito, ein Raupensäulenschwenkbagger auf Raupenfahrwerk und mit dem Baujahr 1941 der Oldie unter den Maschinen. Dies hindert das 792 Tonnen schwere, 27,2 m hohe und 67,1 m lange Ungetüm aber nicht daran, noch voll funktionsfähig zu sein. Hergestellt wurder der Mosquito übrigens in Magdeburg. Die Umrandung der Arena machen die Medusa, ein schwenkbarer Absetzer auf Schienenfahrwerk und der schwerste der ausgestellten Bagger, Gemini, komplett. Gemini kommt auf die beeindruckenden Maße einer Höhe von 30 m und einer Länge von 125 m, wobei der Ausleger auf eine Länge 60 m kommt. Gemini bringt dabei 1980 Tonnen auf die Waage. Etwas abseits steht die letzte der Maschinen, das Big Wheel. MIt dem Baujahr 1984 das Küken unter den Tagebauvarianten, aber nicht minder beeindruckend. Der Schaufelradbagger auf Raupenfahrwerk bringt 1718 Tonnen auf eine Höhe von 31 m und eine Länge von 74,5 m.

Das besondere an den Ausstellungsstücken ist allerdings auch noch, dass diese begangen werden können. Einige nur im Zuge einer buchbaren Führung, andere, wie zum Beispiel Gemini, auch eigenständig. Neben den Maschinen gibt es auch einen eher klassischen Museumsteil in der alten 30 KV-Station, von der vorher der komplette Tagebau mit Strom versorgt würde. Heute dient er neben der Ausstellung rund um die Ferropolis und rund um die Geschichte der Braunkohleförderung in der Region dem Förderverein FERROPOLIS e.V. als Sitz. Außerdem kann man sich in den Räumlichkeiten sogar das Ja-Wort geben, direkt vor der Kulisse der Ferropolis.

Rund um die Ferropolis passiert auch noch mehr. Dies bezeugen erste Ansiedlungen kleiner Unternehmen ebenso wie zahlreiche neue Projekte: schwimmende Häuser etwa oder gleich ein ganzes Freizeitdorf, mit Strom versorgt vom längsten Solarkraftwerk Europas. “In FERROPOLIS, so scheint es, ist Zukunft möglich.”

Wichtige Daten für Besucher

Eintrittspreise:

  • Erwachsene: 4,00 €
  • Ermäßigt: 3,00 €
  • Audioführung für zwei Personen: 1,00 €
  • Familienkarte : 8,00 € (2 Erwachsene und max. 4 Kinder)

Gruppen:

  • ab 20 Personen pro Person 3,00 €
  • Führung pro Gruppe 25,00 €
  • Führungen am Wochenende pro Person: 1,00 €
  • Kinder unter 6 Jahren frei
  • Jahreskarte 10,00 € (nicht für Veranstaltungen gültig)

Öffnungszeiten:

  • November-April: Täglich geöffnet von 10.00 – 17.00 Uhr, beziehungsweise bis zum Einbruch der Dunkelheit.
  • April-November: Samstag, Sonn- und Feiertage: 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Wochentags: 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
  • Die Ausstellung in der ehemaligen 30 KV-Station ist täglich von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet.
  • Die Gastronomie am Biergarten an der Orangerie ist im Winterhalbjahr an den Wochenenden und an Feiertagen geöffnet, im Sommerhalbjahr täglich.

Audioführungen mit einer Dauer von ca. 1 Stunde können am eingang gegen eine kleine Gebühr erworben werden. Die Audioführungen bieten neben den üblichen Informationen auch Interviews mit ehemaligen Arbeitern und Aufnahmen der Betriebsgeräusche der einzelnen Maschinen.

Führungen durch Gästebetreuerinnen

An Wochenenden und Feiertagen um 11.00, 13.00, 15.00 Uhr
Dauer : ca. 1 Stunde

Von Montag bis Freitag Führungen nur für Gruppen nach vorheriger Anmeldung.
Für Gruppen ab 20 Personen ist eine Anmeldung unter 034953 – 351 25 erwünscht
(ca. 7 Tage im Voraus).

Details zur Anfahrt, zu besonderen Terminen und weiteren Dingen rund um die Ferropolis, finden sich auf der Internetseite des Museums.

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