Hin zum Nordkap und wieder zurück – Die Geschichte vom kleinen Dompfaff – Teil 2

Teil 2 – Vom Rallye-Start zum Kreisverkehr Breakdown

Der Rallye-Start. Endlich, es war Samstag, wir waren am Fischmarkt in Hamburg, unsere Birdbox stand neben hunderten anderen Teams auf dem Platz. Wir waren aufgeregt, wir wollten los legen. Diese Warterei macht einen noch wahnsinnig! Aber zuerst hieß es, Anmelden, Roadbook, Viking-Timber-Block und Überquell Bier abholen. Warum der Start auf die frühen Nachmittagsstunden gelegt wurde entzieht sich leider meinem Verständnis, denn auch im Anbetracht der Tatsache, dass wir am ersten Tag direkt die Strecke bis nach Südschweden zurück zu legen hatten zeigt, wie viel Zeitdruck diese Rallye mit sich bringen sollte. Doch dann war es endlich so weit. Auch der Regen hatte sich irgendwann vom Fischmarkt verabschiedet und auf einmal hieß es ab ins Auto, es geht los. Und so sollte dieses Abenteuer beginnen. Die Fahrt über die Startrampe war ein kurzer Spaß, ich habe nach Kevi gesucht, Claus und Becky hatten viele Freunde und Familienmitglieder, die sie verabschieden wollten. Und eh wir uns versahen waren wir unterwegs. Ein Umstand der mich plötzlich sehr nervös machte. Die erste Pipi-Pause mussten wir wohl schon nach knapp 50 km einlegen…

Da am ersten und am letzten Tag noch Autobahnen erlaubt waren, sahen wir noch sehr viele Teams, die uns auf dem Weg Richtung Dänemark begleiteten, wo wir die Strecke über die Öresundbrücke nach Schweden antraten und natürlich darf bei deutschen Autobahnen eines nicht fehlen, der obligatorische Stau, der uns locker eine Stunde kostete. Direkt am ersten Tag sollte auch die umfangreichste Tagesaufgabe auf uns warten. Für die Wikingertaufe benötigten wir Sand aus Dänemark, Wasser aus der Ostsee, einen grünen Zweig aus Schweden, schwedisches Eisen und Wind. Was bedeutete, obwohl wir Dänemark nur auf der Autobahn durchqueren wollten, mussten wir irgendwo die Strecke verlassen, um dänischen Sand zu besorgen. Das haben wir auch mit Bravour gemeistert, oder besser gesagt Claus, denn er ist für diese Aufgabe nicht nur von dem strömenden Regen von oben durchnässt worden, sondern hat beim Einsammeln des Ostseewassers beherzt nasse Schuhe riskiert. Was für ein Start in den ersten Rallye Tag. Nasse Klamotten, nasse Schuhe und eine leise Stimme im Hinterkopf, die leise flüsternd eine Angst beschwört, hoffentlich bleibt das Wetter nicht die ganzen 16 Tage so mies.

Angekommen in Schweden kam mein großer Auftritt, Claus hat mich zum ersten Mal, seit meiner Übungseinheit, die Birdbox fahren lassen. Zugegeben, sehr zaghaft, weit unter der Geschwindigkeitsbegrenzung, aber mit zunehmender Begeisterung, knüpfte ich die ersten zarten Bande zu unserer Heimat auf vier Rädern.

Den Ort der ersten Tagesaufgabe erreichten wir am Abend in der Dämmerung, bei Regen, mit vielen anderen Teams. Der clevere Ostfriese tüddelt wohl gerne Dinge zusammen und so sorgte Claus dafür, dass Sand, Wasser, Eisen und Ast sicher zusammengezurrt auf dem Rücken transportiert werden konnten, während man um einen Stein krabbelte. Fotos und Videos zum Beweis gemacht, Tagesaufgabe erfüllt. Und jetzt? Bei dem Regen und dem Wind noch weiter fahren zum vorgeschlagenen Camping-Spot? Oder gleich vor Ort die Zelte aufschlagen? Der Tag war lang, die Aufregung des Tages sorgte für müde Knochen, also wurde das Zelt für die erste Nacht ganz unromatisch und ohne großes Tamtam am Campingplatz in der Nähe des Parkplatzes errichtet. Was für ein Start…

Der erste Morgen, nasse Zelte, illegale Dusche auf dem Campingplatz, Sachen packen, Roadbook checken, weiter ging es, an der Ostsee vorbei weiter hinein nach Schweden, genauer gesagt nach Ryd, um einen Autofriedhof zu finden, auf dem sich evtl. der letzte Tourbus von ABBA befindet. Dort angekommen fragte ich mich ein weiteres Mal, wie viel Technik Claus noch in seinem Van versteckt hat, nachdem er am Morgen schon die Drohne auf einen Rundflug geschickt hatte, sorgte er jetzt mittels eines Gimbal für perfekte, unverwackelte Aufnahmen des Ortes, während ich beinahe ganz retro mein Smartphone ausführte. Die gute Nachricht, der Regen hatte aufgehört, die Sonne kam hinter den Wolken hervor, wir kramten die Sonnenbrillen aus dem Gepäck und eines war auffällig, umso weiter wir nach Norden kamen, um so länger blieb es hell. Die Sonne stand noch am frühen Abend ungewohnt hoch am Himmel, was dafür sorgte, dass unser Zeitgefühl aufs Glatteis geführt wurde.

Der dritte Tag führt uns quer durch Schweden, immer Richtung Norden, mit der Aufgabe heute mit einem anderen Team den Co-Piloten zu tauschen. Da Claus im Vorfeld einige Teams schon näher kennen gelernt hatte, war ein Team zum Tauschen schnell gefunden. Die Mädels in ihrem MX-5 Cabrio vom Team Miata Vänskap wollten sich mit uns an einem der Orte, die im Roadbook festgelegt waren, treffen. Wie sich heraus stellte, gab es zwei Orte, die für den Tausch in Frage kamen, wir hatten die nördlicheren Punkt angesteuert, die Mädels zum Glück auch, und nachdem wir den einen oder anderen Regenschauer ausgesessen hatten, stieg ich in den MX-5 um, um einen Teil der Strecke zusammen mit Susann weiter zu fahren, wo ich gefühlt 30 Zentimeter über dem Asphalt durch Schweden düste, während Doreana Claus in unserer Birdbox (die sich im Vergleich gefühlt 1,5 Meter über dem Boden befindet) Gesellschaft leistete. Wir haben den Tausch sogar aus freien Stücken noch über die Zielvorgabe des Roadbook hinaus verlängert und trennten uns erst, als wir unseren Schlafplatz für die Nacht ansteuern wollten.

Der kommende Tag zählt für mich zu einem kleinen Highlight, denn zurückblickend haben wir auf dieser Strecke das meiste gesehen und erlebt. Vollgepumpt mit Zucker und angetrieben von jugendlicher Leichtigkeit, ausgetrickst von der Mitternachtssonne schossen wir weit über das Ziel hinaus. Nicht nur, dass an diesem Tag der gefürchtete Surströmming-Drive anstand, der mit meiner mir selbst auferlegten Mutprobe das Zeug sogar zu probieren endete. Nein, an diesem Tag hieß es außerdem raus aus Schweden, rein nach Norwegen, über den Polarkreis, vorbei an reißenden Schmelzwasser Bächen, Gletschern, schneebedeckten Gipfeln und Rentieren, bis zum Fähranleger von Bodo, um noch in der kommenden Nacht auf die Lofoten überzusetzen. War es eine gute Idee die Fähre um 3.15 Uhr zu buchen? Nach wie vor, ja! Aber, und das muss hier betont werden, die Entscheidungen, die wir nach unserer Ankunft auf den Lofoten getroffen haben, waren allesamt nicht die Besten.

Der vierte Tag war ein Sammelsurium von Erlebnissen, jedes für sich ein kleines Highlight, unser erster kleiner Verfahrer zum Beginn des Tages (Schweden ist wirklich verdammt schön), der Surstömming-Kauf (ich frage mich wirklich, was die Leute in den Supermärkten von diesen merkwürdigen Touristen halten, die mit uralten Autos vorfahren und dann noch sage und schreibe vier Dosen von dieser angeblichen „Delikatesse“ käuflich erwerben und sich dabei sogar noch stolz filmen und fotografieren), das Öffnen der Dose und die anschließende Zwangs-Fahrgemeinschaft, das probieren und die Off-Road-Strecke, die wir für eine nette Abwechslung hielten während der Planung, die uns aber unendlich viel Zeit kostete. Die kleinen Höhepunkte des Tages lassen sich gefühlt unendlich weiter führen. Ich erinnere mich gerne an unsere kurze Pause an einem wunderschönen Bergsee neben der Straße, die uns schon sehr gut auf die unglaublichen Ansichten, die noch kommen sollten einstimmte… und und und.

An die Fährüberfahrt selber kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich habe am Fähranleger im Van geschlafen, bin kurz wach geworden, als wir auf das Parkdeck gefahren sind und habe, kaum, dass ich in einen der Passagiersitze auf Deck gefallen war, umgehend wieder tief und fest geschlafen. Als ich aufwachte waren wir kurz vor den Lofoten und ich stand vollständig neben mir. Das war einer der ausschlaggebenden Punkte für unsere Irrfahrt. Wären wir den Sirenen gefolgt, wären wir glücklicher gewesen. Aber so stellte dieser Tag die erste wirklich große Prüfung für unser Team dar. Ich war müde, unfähig die Karte oder Straßenschilder zu lesen, die Lofoten selber trugen durch ihre traumhafte Kulisse zusätzlich dazu bei, dass man sich nicht wirklich sicher war, ob man wach war oder träumte. Als wir einen bestimmten Ort suchten und Claus mich davon überzeugte, dass wir in diesem Ort noch nicht waren, nahm das Elend seinen Lauf. Claus umschrieb unsere Odyssee mit den netten Worten wir hätten aus den Lofoten unseren eigenen Kreisverkehr gemacht. Was, wie ich zugeben muss, wirklich eine herausragend schlechte Leistung darstellt. Denn auf den Lofoten gibt es genau eine Küstenstraße und nur zwei größere Orte, dafür aber gigantisch viele, vor allem sehr offensichtliche Hinweisschilder! Lektion Nr. 1: Steffi ohne Dusche und ohne Kaffee funktioniert absolut gar nicht! Schlussendlich sollten wir es nach dem einen oder anderen Nevenzusammenbruch doch noch zur Party-Location in Hov schaffen. Ich bin bis heute fest davon überzeugt, dass Claus an dieser Stelle ganz schwer mit sich gekämpft hat, ob er mich doch aussetzen und den Rest der Strecke alleine fahren sollte 😉 Die Ankunft auf den Lofoten war definitiv kein Glanzpunkt unserer Reise und die erste wirklich schwere Prüfung, ob ein Team, dass sich im Prinzip nicht kennt, es schafft sich wieder zusammenzuraufen.

Die Party selbst war für uns beide nicht herausragend, Claus hat, aufgrund der Arbeit, noch weniger davon mitbekommen als ich. Denn ich muss gestehen, dass ich mich am frühen Abend mit einem Bier und der norwegischen Variante von Hot Dogs auf eine Landzunge beim Party-Strand begeben hatte, wo ich das erste Mal auf der Reise wirklich tiefenentspannt war. Ich war lange Zeit alleine auf den Felsen unterwegs, lauschte dem Rauschen des Meeres, beobachtete unbekannte Meeresvögel und lauschte deren Gesängen. Ich liebe das Meer und den Geruch der Luft. Für mich brauchte es nicht viel mehr, um den miserablen Tag abzuschütteln. Je mehr die Party am Strand Fahrt aufnahm, umso voller wurde es jedoch an meinem kleinen ruhigen Fleckchen. Auf meinem Weg zurück unterhielt ich mich mit einigen Teams, ich hörte viele Geschichten, die unserer ähnelten, lief den ersten Betrunkenen über den Weg und überlegte, ob ich bis zum Bad im Polarmeer und zum Lagerfeuer am Strand wach bleiben und mich unter die Partywütigen mischen, oder ob ich in mein Zelt kriechen sollte. Ich entschied mich für letzteres, womit unser Lofoten Breakdown seinen Abschluss finden sollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.